Diagnose – Wie kann ein Tinnitus sicher abgeklärt werden?

Da der Tinnitus keine eigenständige Erkrankung ist, erfolgt die Diagnose meist anhand der Beschwerden des Patienten. Die Anamnese ist also das wichtigste Kriterium in der Praxis. Personen mit Tinnitus-Beschwerden sollten sich idealerweise direkt in der HNO-Arztpraxis vorstellen. Dabei gilt: Je früher ein Arzt mit der Behandlung des Tinnitus beginnen kann, desto wahrscheinlicher ist eine völlige Heilung der Beschwerden. Die besten Erfolge erzielen Behandlungen, die binnen der ersten 24 Stunden nach dem Auftreten der ersten Beschwerden eingeleitet werden. Der Arzt erfragt die Hintergründe der Ohrgeräusche, wie etwa die Dauer, die Intensität und die Häufigkeit. Auch die Art der Geräusche muss abgeklärt werden, denn sie geben erste Hinweise auf die Entstehung des Tinnitus und auf die Lokalisation. Infolge der Patientenbefragung führt der Arzt dann weitere Tests durch, um die Diagnose zu sichern und das Ausmaß des Tinnitus beurteilen zu können.

HNO-Untersuchung

Ohrenuntersuchung

Die allgemeine HNO-Untersuchung umfasst einen Sichtbefund des Rachens, des Kiefers und der Ohren. Mit einem Otoskop, also einem feinen Trichter, der in den Gehörgang eingeführt wird, kann der Arzt das Außen- und das Mittelohr beurteilen und auf eventuelle Beeinträchtigungen überprüfen. Während der allgemeinen HNO-Untersuchung kann das Ohr etwa auf Fremdkörper oder Verstopfungen durch Ohrenschmalz untersucht werden.

Hörtest

Ein Hörtest gibt Aufschluss darüber, ob der Tinnitus die Hörfunktion beeinträchtigt. Das kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn der Frequenzbereich des Tinnitus tatsächliche Töne überdeckt. Auch kann mithilfe eines Hörtests eine Hyper- oder Dysakusis herausgefunden werden. Der Test gehört zur Standarddiagnostik im HNO-Bereich. Der Patient bekommt hierzu Kopfhörer aufgesetzt, über die er Töne unterschiedlichster Höhen, Tiefen und Lautstärken zu hören bekommt. Nimmt der Patient einen Ton wahr, muss er ein Handzeichen geben oder einen Knopf drücken. Die Auswertung des Hörtests gibt Aufschluss über das gesamte Hörvermögen.

Tympanometrie/Stapediusreflexe

Die Erstellung eines Tympanogramms und die Überprüfung der Stapediusreflexe dienen der Funktionsüberprüfung der Gehörknöchelchen und der Mittelohrmuskeln. Für diese Untersuchung, die nicht schmerzhaft ist, wird dem Patienten eine dünne Messsonde in den Gehörgang verbracht, die den Gehörgang luftdicht abschließt. Anschließend wird ein Dauerton in den Gehörgang versetzt, den die Gehörknöchelchen im Idealfall ins Innenohr weiterleiten. Es entsteht eine Schallenergie mit veränderten Reflexionen, die vom Tympanometer gemessen und aufgezeichnet werden können. Die Auswertung gibt Aufschluss über die Funktion des Trommelfells und der Gehörknöchelchen sowie der Mittelohrmuskulatur. Im Rahmen eines Tinnitus sind diese Strukturen meist intakt.

Hirnstammaudiometrie

Die Hirnstammaudiometrie, kurz BERA-Untersuchung, ist eine Testung des objektiven Gehörs. Die BERA-Untersuchung ähnelt einer EEG. Der Patient bekommt Messelektroden an die Kopfhaut angebracht. Über einen Kopfhörer hört er dann verschiedene Töne, die zu akustischen Reizen verarbeitet und an das Gehirn weitergegeben werden. Währenddessen wird die Hirnstromkurve aufgezeichnet, was in der Auswertung Aufschluss darüber gibt, an welcher Stelle im Gehirn die Hörstörung zustande kommt. Die BERA-Untersuchung ist absolut schmerz- und stressfrei und kann daher bei Patienten jeden Alters durchgeführt werden.

Messung otoakustischer Emissionen

Das menschliche Ohr nimmt nicht nur Töne wahr, es kann sie auch verstärken und filtern. So treten beispielsweise Hintergrundgeräusche weniger hervor als die Töne des unmittelbaren Gesprächspartners. Das Innenohr reguliert die Tonwahrnehmung mithilfe otoakustischer Emissionen. Zur Messung dieser Emissionen bekommt der Patient ebenfalls eine Sonde in den Gehörgang eingeführt. Über einen Computer werden störende Nebengeräusche ausgefiltert und die tatsächlichen otoakustischen Emissionen des Innenohrs aufgezeichnet. Sie geben Aufschluss über die Lokalisation der Hörstörung und die allgemeine Innenohrfunktion.

Tonschwellenaudiogramm

Das Tonschwellenaudiogramm, oder auch Tinnitusmatching, ist Bestandteil der modernen Tinnitus-Diagnostik. Es dient der Gehörüberprüfung und der Feststellung der individuellen Hörschwelle. In der Vorgehensweise gleicht es dem Hörtest. Der Patient bekommt also über einen Kopfhörer Töne eingespielt, die er per Knopfdruck bestätigen muss. Diese Töne umfassen verschiedene Frequenzen und Lautstärken. Im Rahmen eines Tonschwellenaudiogramms kann der genaue Frequenzbereich des Tinnitusgeräuschs herausgefunden werden, ebenso wie verdeckte Töne, die vom Tinnitus sozusagen verschluckt werden.

Gleichgewichtsprüfung

Die Gleichgewichtsprüfung, auch Computernystagmografie genannt, gibt Hinweise auf die Funktionsfähigkeit des Gleichgewichtsorgans im Ohr. Gerade im Falle eines Morbus Menière, der mit Schwindelanfällen einhergeht, muss die Ursache des Schwindels herausgefunden werden. Zur Gleichgewichtsprüfung bekommt der Patient Messelektroden im Bereich der Augen aufgeklebt. Diese Elektroden messen über einen Computer die Bewegung der Augen während des Schwindels. In der Regel kommt es dabei zu typischen Augenbewegungen, die Nystagmus genannt werden. Im zweiten Schritt wird das Gleichgewichtsorgan des Patienten also gereizt, indem warmes Wasser in den Gehörgang gespritzt wird. Ist das Gleichgewichtsorgan intakt, wird vom Computer ein deutlicher Nystagmus vermessen. Reagieren die Augen hingegen nicht mit diesen typischen Bewegungen, deutet das auf eine Beeinträchtigung des Gleichgewichtsorgans hin.

 

Letzte Aktualisierung: 23.08.2013