Welche Formen von Tinnitus gibt es ?

Objektiver Tinnitus – Was ist das?

Als charakteristisch für Tinnitus gilt, dass dieses Ohrgeräusch nur vom Betroffenen selbst wahrnehmbar sei und daher subjektiv. Dies trifft allerdings nur dann zu, wenn sich für das Ohrgeräusch keine zugrunde liegende Erkrankung finden lässt. Tinnitus selbst ist stets ein Symptom, auch wenn die Ursache dafür häufig im Dunkeln bleibt. Ist als Tinnitusauslöser jedoch eine Erkrankung diagnostizierbar, so handelt es sich in dem Fall um einen objektiven Tinnitus. Der behandelnde Arzt kann ebenfalls das Geräusch erkennen, zum Beispiel beim Abhören mit einem Stethoskop. Als Ursache für einen objektiven Tinnitus kommen Herzfehler, Gefäßmissbildungen und Ähnliches infrage. Allerdings ist ein objektiver Tinnitus sehr selten. Circa 0,01 % der Tinnituspatienten fallen in diese Kategorie.

Die große Überzahl der Patienten, die am subjektiven Tinnitus leiden, vernehmen Ohrgeräusche, die ein Außenstehender wie ein Arzt nicht nachvollziehen kann. Trotzdem handelt es sich keineswegs um eine Einbildung. Der Patient erlebt den Geräuscheindruck deutlich, leidet häufig stark darunter und würde zu gern davon befreit werden. Ein subjektiver Tinnitus ist daher absolut ernst zu nehmen.

Eine Unterteilung in objektiven und subjektiven Tinnitus spielt vor allem für die Therapie eine wichtige Rolle, denn die beiden Tinnitusvarianten unterscheiden sich grundlegend.

Ursachen für einen objektiven Tinnitus

Auslöser für einen objektiven Tinnitus stellen Erkrankungen dar, welche Geräusche im Körper hervorrufen, die der Patient und auch sein Arzt wahrnehmen können. Das sind zum Beispiel Erkrankungen wie:

  • Herzfehler
  • verengte Arterien
  • Blutstromveränderungen der Halsvenen
  • Aneurysmen (Aussackungen der Blutgefäßwände)
  • Gehirnarterienverkalkungen
  • Fisteln
  • Hämangiome (Blutschwämme)
  • Kontraktionen der Ohr- oder Gaumenmuskulatur
  • Tumoren an Blutgefäßen
  • Tumoren im Mittelohr

Ziel der Behandlung eines objektiven Tinnitus ist daher die Therapie der vorliegenden Ursprungserkrankung. Verläuft sie erfolgreich, beendet dies fast immer den objektiven Tinnitus.

Was ist ein Chronischer Tinnitus?

Im deutschen Sprachraum erfolgt je nach Dauer der Tinnituswahrnehmung eine Einteilung in verschiedene Phasen:

  • bis zu drei Monaten Dauer: akuter Tinnitus
  • bis zu sechs Monaten Dauer: subakuter Tinnitus
  • über sechs Monate Dauer: chronischer Tinnitus

Diese Klassifikation ist nicht wissenschaftlich, sondern basiert auf Erfahrungswerten. Die spezifische Akutbehandlung sorgt bei akutem und subakutem Tinnitus oft für eine Spontanheilung oder wenigstens Besserung der Symptome.

Doch je länger ein Tinnitus besteht, desto mehr steigt die Chance für seine Manifestation. Er wird chronisch. Monatelanges Summen, Klingeln oder Pfeifen im Ohr wird kaum wieder verschwinden. Das persönliche Geräuschempfinden des Betroffenen zählt neben der Dauer des Auftretens des Tinnitus bei der Beurteilung mit, ob es sich dabei um einen chronischen Tinnitus handelt oder nicht.

Was ist ein akuter Tinnitus?

Wenn die Beschwerden nicht länger als einen Monat bestehen, handelt es sich um einen akuten Tinnitus. Bei einer Tinnitusdauer von vier bis zwölf Monaten ist von einem subakuten Tinnitus die Rede. Eine Tinnitusdauer von über einem Jahr gilt als chronischer Tinnitus. Zur Behandlungsplanung ist diese Differenzierung wichtig, da sich eine Therapie an der Tinnitusdauer orientiert. Ebenso hängt die Erfolgsaussicht einer Therapie hiervon ab, wobei ein akuter Tinnitus die günstigste Prognose hat.

Zur weiteren Definition eines akuten Tinnitus lassen sich noch folgende Aspekte heranziehen:

ein objektiver – durch den Untersuchenden erfassbarer – oder subjektiver – nur vom Betroffenen wahrnehmbarer – akuter Tinnitus
Qualität bzw. Charakteristik: Rauschen, Pfeifen, Klingeln, Summen usw.
Schweregrad: Geräuschintensität
Entstehungsort: Außenohr, Mittelohr, Innenohr, Hörnerv, Gehörzentrum im Gehirn
Vorliegen einer Sekundärsymptomatik: kompensierter bzw. dekonpensierter Tinnitus

Verlauf eines akuten Tinnitus

Die Prognose für einen akuten Tinnitus ist gut. Sehr häufig verschwinden die plötzlichen Ohrgeräusche wieder innerhalb von 24 bis 48 Stunden ohne jede Behandlung. Ist dies nach zwei Tagen nicht der Fall, ist dringend das Aufsuchen eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes anzuraten, der einen akuten Tinnitus meistens beseitigen kann. Unbedingt sollte ein Arztbesuch erfolgen, wenn sich zum Tinnitus zusätzlich Schwerhörigkeit einstellt.

Selbst ein wiederholt auftretender akuter Tinnitus bedarf keiner Behandlung, solange keine begleitende Hörstörung vorkommt und das Ohrgeräusch nach ein paar Stunden von allein verschwindet.

Positiv an einem akuten Tinnitus ist immerhin, dass dieser als sogenanntes kompensiertes Krankheitsbild in Erscheinung tritt, was bedeutet, dass die Betroffenen keinen subjektiven intensiven Leidensdruck verspüren.

Was ist ein pulssynchroner Tinnitus?

Vernimmt ein Patient einen Tinnitus, der synchron zum Herzschlag beziehungsweise Puls auftritt, ist von einem pulssynchronen Tinnitus die Rede. Hier ist von einer den Tinnitus auslösenden Grunderkrankung auszugehen. Infrage kommen dafür:

  • Fisteln, also abnorme Verbindungen zweier Blutgefäße beziehungsweise einem Blutgefäß und einem anderen Körperelement
  • Blutgefäßfehlbildungen, zum Beispiel Blutschwämme
  • Aneurysmen, also Aussackungen der Blutgefäßwände
  • Tumore, welche gut durchblutet sind

Sämtliche dieser Erkrankungen führen in ihren Blutgefäßgebieten zu einem sogenannten „turbulenten Blutfluss“. Anders als beim stetig geradeaus fließenden regulären Blutfluss besitzt ein turbulenter Blutfluss Strömungsturbulenzen, ähnlich einem Gewässer mit Stromschnellen. Die davon ausgelösten Strömungsgeräusche nimmt der Patient im Ohr als pulssynchronen Tinnitus wahr.

Ursachenerforschung und Behandlung beim pulssynchronen Tinnitus

Fast immer ist für den pulssynchronen Tinnitus eine der vorab genannten Erkrankungen feststellbar, die zu therapieren ist. Als hilfreich bei der Diagnose erweisen sich Röntgenuntersuchungen, Computer- sowie Kernspinntomografien und Ultraschalluntersuchungen. Nach dem Behandlungserfolg der den pulssynchronen Tinnitus bewirkenden Erkrankung verschwindet dieser im Allgemeinen.

Was ist ein pulsierender Tinnitus?

Ein pulsierender Tinnitus zeichnet sich durch rhythmische Ohrgeräuscheindrücke beim Betroffenen aus. Dieser Rhythmus entspricht dem Herzschlag. In Ruhe oder bei körperlicher Belastung spiegelt sich die dabei langsamere oder schnellere Herzschlagsfrequenz auch im Ohrgeräusch wider. In so einem Fall lässt sich in der Regel eine eindeutige Erkrankung als Tinnitus-Ursache diagnostizieren.

Welche Erkrankungen verursachen einen pulsierenden Tinnitus?

Es sind überwiegend Herz-Kreislauf-Krankheiten, die einen pulsierenden Tinnitus verursachen: Bluthochdruck, Blutgefäßtumoren oder Aussackungen von Blutgefäßwänden – sogenannte Aneurysmen. Andere Erkrankungen am Herzen direkt, wie beispielsweise Herzklappenfehler, verursachen spezielle Herzgeräusche, die der Patient in der Weiterleitung als pulsierenden Tinnitus vernimmt. Hier existiert für die Tinnitusgeräusche ein bestimmbarer Ursprungsort. Mittels Stethoskop kann der Arzt das hörbare Rauschen mit den Angaben des Patienten zum Tinnitus vergleichen.

Als weitere Ursache eines pulsierenden Tinnitus ist eine Funktionsstörung der Ohrtrompete in Erwägung zu ziehen. Die auch als Eustachi-Röhre (Tuba eustachii) bezeichnete Ohrtrompete stellt eine Verbindung zwischen Mittelohr und Rachenraum dar. Sie dient dem Druckausgleich. Flugpassagiere kennen das Phänomen des sich einstellenden Ohrdrucks bei Start und Landung, das sie durch Gähnen, Schlucken oder Kaubewegungen bessern können.

Therapie des pulsierenden Tinnitus

Priorität hat hier die Behandlung der dem Tinnitus zugrunde liegenden Erkrankung. Nach erfolgreicher Therapie dieser Grunderkrankung bedarf der pulsierende Tinnitus erfahrungsgemäß keiner Behandlung mehr.

Wie hängt Ohrensausen mit Tinnitus zusammen?

Zusammenhang Ohrensausen und Tinitus

Viele Tinnituspatienten klagen über Ohrensausen, wobei nicht jeder dasselbe damit meint. So bezeichnen einige grundsätzlich jedes Ohrgeräusch als Ohrensausen, während andere nur bei Rauschen von Ohrensausen sprechen. Wiederum andere nennen Geräuscheindrücke Ohrensausen, die in ihrer Intensität eher an eine Kreissäge erinnern und kaum noch erträglich sind, worüber der verwendete Begriff „Ohrensausen“ hinwegtäuscht. Über diese höchst individuelle Hörempfindung eines Tinnitus sollte sich jeder behandelnde Arzt also im Klaren sein.

Junge hält sich die Ohren zuHinzu kommt, dass auch ein einzelner Betroffener unterschiedliche Wahrnehmungen seiner Ohrgeräusche haben kann, die zum Beispiel von einem kreissägenähnlichen Geräusch zu einem besser erträglichen sanfteren Rauschen wechseln können, um dann wieder in ein störenderes Pfeifen überzugehen. Auch zeitgleiche Kombinationen von Geräuschen sind möglich. Jeder Betroffene erlebt seinen Tinnitus individuell und gibt seine Eindrücke entsprechend subjektiv wieder. So kann dasselbe Phänomen von mehreren Patienten unterschiedlich beschrieben werden.

Das Ohrensausen von Tinnitusbetroffenen kann ständig oder phasenweise bestehen, es ist mal lauter, mal leiser und wechselt seine Klangcharakteristik.

 

Was Ohrensausen für Tinnituspatienten bedeutet

Zahlreichen Betroffenen ist ihr Ohrensausen lästig. Andere fühlen sich davon stärker beeinträchtigt. Tinnitus Therapien konzentrieren sich darauf, Betroffene dazu zu bringen, das Ohrensausen in ihr Leben zu integrieren. Bei einem auf diese Weise erreichten „kompensierten Tinnitus“ nehmen die Betroffenen zwar immer noch ihren Tinnitus wahr, empfinden diesen aber nicht mehr als störend. Stattdessen besetzen sie ihn positiv, indem sie sich zum Beispiel darunter einen murmelnden Bach vorstellen oder im Wind rauschende Zweige. Oft gelingt dies auf verhaltenstherapeutischem Wege oder im Rahmen einer unterstützenden psychologischen Behandlungsmethode. Hierbei steht am Beginn die Klärung, was das Ohrensausen speziell für diesen Patienten bedeutet. Vernimmt der Patient sein Tinnitus-Ohrensausen eher beiläufig als leichtes Rauschen oder beeinträchtigt es ihn stärker, fühlt er sich womöglich sogar davon bedroht? Erst nach Beantwortung dieser Frage lässt sich ein Therapieansatz finden, der Erfolg verspricht.

Welche Ohrgeräusche sind typisch für Tinnitus?

Tinnitus äußert sich auf sehr unterschiedliche Arten von Ohrgeräuschen. Sie fallen nicht nur von Patient zu Patient verschieden aus. Auch ein einzelner Betroffener erlebt durchaus Variationen seiner tinnitusbedingten Geräuscheindrücke. Diese können in ihrer Stärke sowie Klangeigenschaft wechseln. Ein Sirren kann zu einem Summen werden oder ein Klingeln von einem Rauschen im Ohr begleitet sein. Es kann schon mal der Gedanke an ein Tinnitus-Orchester aufkommen.

Patienten schildern ihre Ohrgeräusche häufig so:

–    Reintöne in einer Skala variierender Tonhöhen
–    Rauschen in schmalem oder breitem Frequenzspektrum
–    vielfältige Geräusche wie Klingeln, Summen, Sirren, Knacken, Pfeifen usw.

Dabei können diese Ohrgeräusche sowohl ununterbrochen als auch phasenweise auftreten. Ihre Intensität kann schwanken, eine Klangvariation eine andere ablösen oder unterschiedliche Geräusche eine Kombination eingehen, wie beispielsweise ein von Rauschen untermaltes Pfeifen.

Die Bedeutung von Geräuschen

Für Mensch und Tier ist die Fähigkeit zur Geräuschwahrnehmung von essenzieller Bedeutung. Menschen und viele Tiere kommunizieren über Geräusche, außerdem signalisieren ihnen Geräusche oft rechtzeitig drohende Gefahren. Menschen hören Alarmsirenen und bringen sich in Sicherheit, Tiere bemerken Angreifer. Außerdem können Geräusche wie entspannende Musik oder Bachplätschern beruhigen.

Im Alltag sind ständig zahlreiche Geräusche zu hören. Das Gehirn ist daran gewöhnt und trennt automatisch wie ein Filter Wichtiges von Unwichtigem. Dieser Prozess geschieht individuell. Während ein Großstadtbewohner Autolärm kaum noch bewusst wahrnimmt, ihm das typische Knattergeräusch eines Traktors jedoch gleich auffallen würde, empfindet ein Dorfbewohner dies andersherum.

Ebenso gilt dies für einen Tinnitus. Bei den Ohrgeräuschen der Patienten handelt es sich um sehr subjektive Eindrücke. So steht am Anfang der Behandlung die Frage an den Patienten, warum dieser sein Ohrgeräusch nicht ignorieren kann, sondern es für ihn eine solche Beeinträchtigung bedeutet.

Tinnitus-Symptome

Tinnitus kann ausgesprochen quälend sein. Es kann sich ein so starker Leidensdruck aufbauen, dass die Betroffenen sich krank fühlen. Trotzdem stellt Tinnitus keine Erkrankung, sondern ein Symptom dar.

Tinnitus-Primärsymptome

Charakteristisch für Tinnitus sind Ohrgeräusche in individuell unterschiedlicher Ausprägung. Ein Rauschen, Klingeln im Ohr, Pfeifen, Sirren, Summen oder Pochen, gelegentlich auch gemischt, begleitet den Betroffenen ununterbrochen oder in stets neu auftretenden Phasen. Dabei können sie schwächer oder stärker auftreten, was häufig abhängig ist von aktuellen seelischen Belastungen, körperlicher Anstrengung oder besonderen Situationen. Eine laute Außenumgebung kann die Geräuschkulisse des Tinnitus überlagern und dessen Wahrnehmung minimieren.

Tinnitus-Sekundärsymptome

Als Sekundärsymptome sind die Symptome zu verstehen, die Folgen eines Hauptsymptoms sind – hier Tinnitus. Beim Auftreten von Sekundärsymptomen ist in diesem Fall auch von einem dekompensierten Tinnitus zu sprechen. Schlafstörungen, nachlassende Konzentrationsfähigkeit, Angstzustände und Depressionen als Tinnitus-Sekundärsymptome können so stark werden, dass Betroffene einen geregelten Alltag nicht mehr bewältigen können.

Tinnitus-Begleitsymptome

Als Begleitsymptome gelten Symptome, die parallel zum Hauptsymptom entstehen, jedoch nicht als dessen Folgesymptome zu betrachten sind. Typisch für Tinnitus sind dies beispielsweise weitere Störungen des Gehörs oder Muskelverspannungen. Der Leidensdruck kann schließlich zum sozialen Rückzug führen, in Arbeitsunfähigkeit münden und in schweren Fällen sogar Selbstmordgedanken aufkommen lassen.

Bei einer erfolgreichen Tinnitus-Behandlung gehen fast immer auch die Sekundär- und Begleitsymptome zurück.