Was ist ein Tinnitus?

Ohr

Bei einem Tinnitus handelt es sich um anhaltende oder immer wiederkehrende Ohrgeräusche, die von der betroffenen Person selbst wahrgenommen werden. Die Ohrgeräusche können dabei jeden einzelnen Frequenzbereich durchlaufen, in der Regel hören Betroffene jedoch hohe Pieptöne oder ein monotones, tieferes Rauschen. Auch sirenenartige oder anhaltend brummende Töne sind möglich. Der Tinnitus ist keine gefährliche Erkrankung, jedoch beeinträchtigt er den Alltag massiv. Obwohl der Tinnitus eine subjektive Wahrnehmung ist, also nur von den Betroffenen selbst gehört wird, zweifeln viele Patienten im Laufe der Zeit an ihrer eigenen Wahrnehmung. Mit Ausnahme des sehr seltenen objektiven Tinnitus, der durch körpereigene Schallquellen entsteht und vom Arzt mithilfe spezieller Messtechnik gehört werden kann, ist der klassische Tinnitus also ein spontan auftretendes Symptom ohne erkennbaren Auslöser.

Zahlen, Daten, Fakten: Wer ist betroffen?

  • Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen
  • 15 Prozent in Deutschland leiden unter wiederkehrenden Ohrgeräuschen und andauernden Tinnitus
  • 40 Prozent der deutschen Bevölkerung klagen über unregelmäßige Ohrgeräusche
  • das typische Erkrankungsalter liegt zwischen 40 und 50 Jahren
  • Tinnitus ist häufig nur ein Symptom einer anderen Erkrankung, selten eine eigenständige Krankheit
  • Tinnitus steht in unmittelbarer Verbindung mit Stress und einem ungesunden Lebenswandel

Ohr oder Gehirn – wo entsteht ein Tinnitus?

Während die Medizin bis vor einigen Jahren noch dem Irrglauben aufsaß, ein Tinnitus entstünde direkt im Ohr selbst, ist heute klar, dass das Gehirn für die subjektive Geräuschwahrnehmung verantwortlich ist. Ausschlaggebend für neuere Studien waren Patienten, die im Laufe ihres Lebens ertaubt sind, aber dennoch unter einem Tinnitus litten. Selbst nach einer kompletten Durchtrennung des Hörnervs kann der Tinnitus weiter bestehen. Mithilfe bildgebender Verfahren konnte letztlich nachgewiesen werden, dass Personen, die unter einem Tinnitus leiden, eine abweichende Hirnaktivität aufweisen.

Tinnitus ist eine Übermittlungsstörung zwischen Ohr und Gehirn

Bei näherer Betrachtung zeigt sich also, dass ein Tinnitus auf dieselbe Weise entsteht, wie ein Phantomschmerz. Zwar kann der Tinnitus auf einer Hörstörung des Ohres basieren, jedoch wird er erst dann ausgelöst, wenn das Gehirn versucht, diese Störung zu kompensieren. Das Gehirn versetzt sich dabei selbst in einen Modus erhöhter neuronaler Aktivität und löst dadurch in der Hörbahn die unangenehmen Ohrgeräusche aus. Dieser sogenannte zentrale Tinnitus ist letztendlich also eine Übermittlungsstörung, in deren Rahmen des Gehirn Töne produziert, die eigentlich gar nicht von außen in das Ohr gelangen.

Der Tinnitus im Hörnerv

Auch im Hörnerv kann der Tinnitus entstehen. Lärmbeeinträchtigungen und Giftstoffe, die dem Körper beispielsweise in Form von Medikamenten zugeführt werden, können den Hörnerv beeinträchtigen. Die Aktivität der sensiblen Nervenfasern kann im Falle einer Beeinträchtigung eingeschränkt sein, sodass der Hörnerv einen fehlerhaften Höreindruck an das Gehirn weiterleitet. Infolge dessen kann ein subjektiver Tinnitus entstehen.

Wie entsteht ein stressbedingter Tinnitus?

StressAuch und vor allem der stressbedingte Tinnitus ist ein Streich des menschlichen Gehirns, welches signalisiert, dass der Körper Ruhe braucht. In stressigen Zeiten, also bei enormer beruflicher oder privater Belastung, erhöht das Gehirn ebenfalls seine Neuronenaktivität. Das Hörzentrum im Gehirn und der Hörnerv an sich werden überreizt. Während der klassische Tinnitus oftmals infolge von Fremdkörpern im Ohr oder von plötzlichen und sehr lauten Geräuschen ausgelöst wird, entsteht ein stressbedingter Tinnitus quasi aus dem Nichts. Schuld ist dann die nicht spürbare Kortisolausschüttung im Gehirn, angeregt durch die gesteigerte Hirnaktivität. Kortisol ist das menschliche Stresshormon. Es verengt die Blutgefäße und verdickt das Blut. Die Folge sind Durchblutungsstörungen im Innenohr, die den Tinnitus entstehen lassen.

Tinnitusformen – Abhängig von der Dauer

Unabhängig von eventuell bestehenden Grunderkrankungen kann der Tinnitus unterschiedlich lange andauern. Er wird daher in akute, subakute und chronische Verläufe unterglieder:

  • akuter Tinnitus: die Ohrgeräusche bestehen seit weniger als drei Monaten
  • subakuter Tinnitus: Betroffene werden drei bis zwölf Monate von den Ohrgeräuschen beeinträchtigt
  • chronischer Tinnitus: der Tinnitus besteht mindestens ein Jahr dauerhaft

Ist der Tinnitus heilbar?

Zwar verlaufen etwa 5 bis 20 Prozent aller Tinnitus-Syndrome auch chronisch, jedoch tritt in mehr als zwei Dritteln aller Fälle eine Spontanheilung ein. Das heißt, der Tinnitus geht genau so plötzlich, wie er gekommen ist. Eine Spontanheilung ist oftmals dann der Fall, wenn der Tinnitus durch nervliche Belastungen und Stress ausgelöst wurde. Reduziert sich das Stresslevel anschließend, klingt auch der Tinnitus wieder ab. Grundsätzlich sind aber auch andere Formen des Tinnitus heilbar.

Bildet sich ein Tinnitus von alleine zurück?

In rund 70 Prozent aller Fälle bildet sich ein Tinnitus von alleine zurück. Dennoch sollte der Besuch beim Arzt obligatorisch sein, schließlich kann man als Laie kaum wissen, ob eine ernsthafte Störung hinter den plötzlichen Ohrgeräuschen steckt. Der Tinnitus gehört grundsätzlich, ähnlich wie ein Hörsturz, zu den Symptomen mit der höchsten Selbstheilungsrate.

 

Letzte Aktualisierung: 31.03.2014